PEPTIDBIBEL

Wachstumshormon-Sekretagoga

Tesamorelin

GHRH-Analogon (zugelassen)

Auch bekannt als: Egrifta, TH9507

Stabilisiertes GHRH-Analogon, das die körpereigene GH-Freisetzung anstößt. Klinisch mit echten Phase-III-RCTs zur viszeralen Fettreduktion und mit Daten zu Leberfett und Kognition – innerhalb der zugelassenen Indikation gut belegt.

stark belegt

Steckbrief
Sequenz
stabilisiertes GHRH(1-44)-Analogon
Ziel
GHRH-Rezeptor
Applikation
s.c. täglich
Indikation
HIV-assoziierte Lipodystrophie
Rechtlicher & regulatorischer Status
FDA-zugelassen seit 2010 (Egrifta) zur Reduktion von viszeralem Fett bei HIV-Lipodystrophie – das einzige für viszerale Fettreduktion zugelassene Peptid. Aktuelle Formulierung Egrifta WR.
Wirkmechanismus

GHRH-Rezeptor-Agonist an der Hypophyse → physiologische, pulsatile GH-Freisetzung → IGF-1 ↑; senkt viszerales Fett und Leberfett, ohne die supraphysiologischen Spitzen von exogenem GH.

GHRH-RezeptorGH / IGF-1viszerale Lipolyse
Bezug zu den Hallmarks of Ageing

GH-Sekretagoga heben die GH/IGF-1-Achse – das greift direkt in die Nährstoff-Sensorik ein, ist für die Lebensspanne aber zweischneidig: In der Longevity-Forschung ist eher eine gedämpfte GH/IGF-1-Signalgebung (z. B. Laron-Syndrom, Ames-Zwergmäuse) mit längerem Leben verknüpft. Mechanistisch plausibel sind Healthspan-Effekte über Körperzusammensetzung, Regeneration und Schlaf – eine Lebensverlängerung gerade nicht.

Mechanistische Plausibilität — kein für den Menschen nachgewiesener Anti-Aging-Effekt.

Evidenz nach Endpunkt
  • Viszerale Fettreduktion · Humanstark belegt
  • Leberfett (NAFLD) · Humanbegrenzt
  • Kognition · Humanpräklinisch
Humanstudien
QuellenDesignDauerEndpunkteErgebnisLimitationen
Falutz et al. – gepoolte Phase-III-RCTs (NEJM 2007 u. a.)≈ 806 (HIV-Lipodystrophie)RCT, doppelblind, placebokontrolliert26 Wochenviszerales Fett (CT)≈ 15 % VAT-Reduktion vs Placebo; Triglyceride ↓Indikation HIV-Lipodystrophie
Stanley et al., JAMA 2014;312:380–389 (PMID 25038357)54 (HIV + abdominale Adipositas)RCT, doppelblind, placebokontrolliert6 MonateLeber-/viszerales FettLeberfett −2 % vs +1 %; VAT ↓kleine Fallzahl, Subpopulation
Beworbene / vermutete Wirkungen

Häufig beworben — nicht gleichbedeutend mit belegter Wirkung.

allgemeiner Fettabbau über die Zulassung hinauskognitive Verbesserung (über IGF-1)Muskel-/Anti-Aging-Effekte
Dosen aus Studien — reine Referenz
Verschreibungspflichtig; in Studien/Zulassung 2 mg/Tag s.c. Ärztliche Anwendung – keine Dosierempfehlung hier.

Keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung und keine Umrechnung in Injektionseinheiten.

Risiken & Sicherheit
Bekannte Risiken

Arthralgien und Kopfschmerz (häufigste Abbruchgründe), Ödeme, Reaktionen an der Injektionsstelle; IGF-1- und Glukoseanstieg möglich.

Theoretische Risiken

GH/IGF-vermittelte Effekte.

Kontraindikationen / Vorsicht

aktive Tumorerkrankung, Schwangerschaft.

Offene Fragen
  • Nutzen bei nicht-HIV-NAFLD/MASH
  • Langzeit-Stoffwechseleffekte
Quellen
  • Falutz J et al. Tesamorelin, HIV-assoziierte Lipodystrophie. NEJM 2007;357:2359–2370. · 10.1056/NEJMoa072375
  • Stanley TL et al. Tesamorelin – viszerales/Leberfett. JAMA 2014;312:380–389. · 10.1001/jama.2014.8334
Häufige Fragen
Was ist Tesamorelin?

Stabilisiertes GHRH-Analogon, das die körpereigene GH-Freisetzung anstößt. Klinisch mit echten Phase-III-RCTs zur viszeralen Fettreduktion und mit Daten zu Leberfett und Kognition – innerhalb der zugelassenen Indikation gut belegt.

Wie wirkt Tesamorelin?

GHRH-Rezeptor-Agonist an der Hypophyse → physiologische, pulsatile GH-Freisetzung → IGF-1 ↑; senkt viszerales Fett und Leberfett, ohne die supraphysiologischen Spitzen von exogenem GH.

Wie gut ist Tesamorelin belegt?

Höchste erreichte Evidenzstufe in unserer Einstufung: „stark belegt“. Es liegen 2 ausgewertete Humanstudien vor.

Ist Tesamorelin in Österreich und der EU zugelassen?

FDA-zugelassen seit 2010 (Egrifta) zur Reduktion von viszeralem Fett bei HIV-Lipodystrophie – das einzige für viszerale Fettreduktion zugelassene Peptid. Aktuelle Formulierung Egrifta WR.

Welche Nebenwirkungen sind für Tesamorelin bekannt?

Arthralgien und Kopfschmerz (häufigste Abbruchgründe), Ödeme, Reaktionen an der Injektionsstelle; IGF-1- und Glukoseanstieg möglich.

Im Themenüberblick

Tesamorelin wird hier eingeordnet: Peptide für Muskelaufbau — mit Evidenztabelle aller Substanzen dieses Bereichs.

Zuletzt redaktionell geprüft: 2026-08-07 · Wie wir Evidenz bewerten