PEPTIDBIBEL

Krebsforschung

Melflufen

Peptid-Wirkstoff-Konjugat (Alkylanz-Prodrug)

Auch bekannt als: Melphalanflufenamid, Pepaxto, Pepaxti

First-in-Class-Peptid-Wirkstoff-Konjugat, das ein Alkylanz gezielt in Myelomzellen freisetzt. Lehrreiches Beispiel für regulatorische Volatilität: in den USA nach Sicherheits-/Überlebenssignal zurückgezogen, in der EU zugelassen.

begrenzt

Steckbrief
Aufbau
lipophiles Peptid-Konjugat eines Alkylanz (Melphalan)
Ziel
Aminopeptidasen in Tumorzellen
Indikation
Multiples Myelom
Applikation
i.v.
Rechtlicher & regulatorischer Status
Wechselhafte Zulassung: FDA-Schnellzulassung 2021, danach US-Rücknahme nach der OCEAN-Studie; in der EU als Pepaxti zugelassen.
Wirkmechanismus

Das lipophile Konjugat reichert sich in Tumorzellen an und wird durch dort angereicherte Aminopeptidasen gespalten → rasche intrazelluläre Freisetzung und Einschluss des Alkylanz Melphalan → DNA-Schädigung. Aktiv auch in Melphalan-/Bortezomib-resistenten Zellen.

Aminopeptidase-AktivierungAlkylierung (Melphalan)DNA-Schädigung
Bezug zu den Hallmarks of Ageing

Onkologisch orientierte Peptide zielen auf Tumor- und Proliferationsbiologie. Da Krebs eine zentrale Alterskrankheit ist, besteht ein indirekter Bezug (zelluläre Seneszenz, genomische Instabilität); ein eigenständiger „Verjüngungs“-Mechanismus ist damit nicht gemeint.

Mechanistische Plausibilität — kein für den Menschen nachgewiesener Anti-Aging-Effekt.

Evidenz nach Endpunkt
  • Multiples Myelom (refraktär) · Humanbegrenzt
Humanstudien
QuellenDesignDauerEndpunkteErgebnisLimitationen
HORIZON / OCEAN (Phase 2/3)klinischAnsprechen, ÜberlebenWirksamkeit bei refraktärem Myelom; OCEAN warf Überlebensbedenken auf → US-RücknahmeNutzen/Risiko umstritten
Beworbene / vermutete Wirkungen

Häufig beworben — nicht gleichbedeutend mit belegter Wirkung.

zielgerichtete Myelom-Therapie (Nutzen umstritten)
Dosen aus Studien — reine Referenz
Verschreibungspflichtig (dort, wo zugelassen); i.v. in Kombination. Ärztliche Anwendung.

Keine Anwendungs- oder Dosierempfehlung und keine Umrechnung in Injektionseinheiten.

Risiken & Sicherheit
Bekannte Risiken

Knochenmarksuppression (Zytopenien), Infektionen.

Theoretische Risiken

Kontraindikationen / Vorsicht

siehe Fachinformation (EU).

Offene Fragen
  • Patientenselektion
  • Stellenwert nach US-Rücknahme
Quellen
  • Dhillon S. (2021). Melphalan Flufenamide: First Approval; HORIZON/OCEAN-Studien. · Review/Trials
Häufige Fragen
Was ist Melflufen?

First-in-Class-Peptid-Wirkstoff-Konjugat, das ein Alkylanz gezielt in Myelomzellen freisetzt. Lehrreiches Beispiel für regulatorische Volatilität: in den USA nach Sicherheits-/Überlebenssignal zurückgezogen, in der EU zugelassen.

Wie wirkt Melflufen?

Das lipophile Konjugat reichert sich in Tumorzellen an und wird durch dort angereicherte Aminopeptidasen gespalten → rasche intrazelluläre Freisetzung und Einschluss des Alkylanz Melphalan → DNA-Schädigung. Aktiv auch in Melphalan-/Bortezomib-resistenten Zellen.

Wie gut ist Melflufen belegt?

Höchste erreichte Evidenzstufe in unserer Einstufung: „begrenzt“. Es liegen 1 ausgewertete Humanstudien vor.

Ist Melflufen in Österreich und der EU zugelassen?

Wechselhafte Zulassung: FDA-Schnellzulassung 2021, danach US-Rücknahme nach der OCEAN-Studie; in der EU als Pepaxti zugelassen.

Welche Nebenwirkungen sind für Melflufen bekannt?

Knochenmarksuppression (Zytopenien), Infektionen.

Zuletzt redaktionell geprüft: 2026-08-07 · Wie wir Evidenz bewerten